Verfall der Sitten heute: Leihpornographie

Der Killerspiel-Gesetzesentwurf aus dem schönen Freistaat Bayern enthält ein trojanisches Pferd:

Das bayerische Sozialministerium baute darin – von der Öffentlichkeit bislang unbemerkt – ein Verleih-Verbot für indizierte Filme und Computerspiele ein. Der Passus des Artikels 15 des Jugendschutzgesetzes, laut dem der Verleih von indizierten „Trägermedien“ zumindest „in Ladengeschäften, die Kindern und Jugendlichen nicht zugänglich sind“ erlaubt ist, soll ersatzlos gestrichen werden. Als Folge müssten die Videotheken neben Horror-Filmen wie „Freitag der 13.“ oder „Freddie Krüger 2“ [SpOn meint hier offenbar den zweiten Teil der Nightmare on Elm Street-Reihe -maloXP] auch sämtliche Pornofilme aus ihrem Sortiment verbannen.
(SpOn, 13.2.2007)

Als Videotheken-Mitarbeiter sehe ich die Realität vielleicht etwas besser als das Bayerische Sozialministerium und kann im Groben empirisch zwei etwa gleich große Kundengruppentypen für Pornos eingrenzen.

Die eine sind die klassisch-klischeehaften alten Herren, die einen Ausgleich für ihr Junggesellentum benötigen und – ja, auch – mitunter stark riechen. Diese würde das Verbot am härtesten treffen, denn sie haben zumeist keine Ahnung vom Internet. (Laien-)Psychologisch gesehen müssten diese sich u.U. stärker „Ersatzbefriedigungen“ suchen. Ich halte es für möglich, dass Sexualdelikte und Gewaltverbrechen durch ein Pornographie-Verleihverbot zunehmen.

Die andere Gruppe sind der ganze Rest. Ganz „normale“ Leute ab 20, die mehr oder weniger (aus meiner Sicht unnötig) verschämt in das Ab-18-Eckchen schleichen, während sie am Abend zuvor den neuesten Actionfilm mit Vin Diesel oder Klamauk-Klamotte mit Eddie Murphy entliehen hatten. Frauen gibt es in dieser Gruppe auch, sind aber klar in der Minderheit. Die meisten würden bei einem Schmuddelfilmverbot wohl auf die immer einfacher verfügbaren Pornos aus dem Web zurückgreifen. YouTube-Klone für Sexclips schießen ja gerade aus dem Boden, Filesharing kann auch jeder. Auf die Otto-Normal- und Lieschen-Müller-Fraktion hätte das Verbot also vermutlich überhaupt keine Auswirkung.

Wofür aber dann das Verbot, wenn die Konsequenzen negativ bis egal sind? Ach ja, es geht ja um den Jugendschutz! Dazu kann ich nur sagen, dass ich penibel darauf achten würde, dass die Kunden, die Filme aus der Schmuddelecke ausleihen, über 18 sind. „Würde“ deswegen, weil bei mir noch nie ein Minderjähriger versucht hat, an die harten Sachen zu kommen. Die Angst vor der Schmach, vom Videothekar nach dem Ausweis gefragt zu werden, ist anscheinend die wirkungsvollste Barriere. Aber erzähl das mal einem Günther Beckstein.

Leider macht der CSU-Vorstoß -Vorschlag einen entscheidenden Fehler. Die moralische Verwesung unserer Gesellschaft beginnt nämlich nicht beim Palmwedeln vor der heimischen Glotze, sondern in den Parlamenten. Konsequenterweise müssten die Herrschaften sich also erstmal selbst verbieten.

// Nachtrag: Das passt ganz gut zum Thema.

2 Kommentare

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