Was Dich, Titanic,

wohl seit neuestem dazu bewegt, an prominenter Stelle im Blatt Bilderwitze von magerer Pointiertheit, dafür aber erstaunlicher Beleidigungskraft für den islamischen Glauben abzudrucken? Fühlt sich da etwa jemand auserkoren, Berufsstand und Ethos des Satirikers verteidigen zu müssen, indem er eine Schüssel Restempörtheit über diese Karikaturengeschichte in die Mikrowelle stellt?

100 4269Stefan Gärtners hinschwadronierte Gleichsetzung von Kritik an Israels Militärführung und Antisemitismus mit schmackhafter Broder-Beilage (S. 16) wird zudem nicht mal mehr durch seine rhetorische Begabung gerettet. Beeindruckend klingt’s natürlich, wenn „fusselbärtige Auslösch-Psychotiker“, so Gärtner, keine „drei Maschen Judentum“ in ihrem „islamischen Riesenteppich“ haben wollten. Dass aber die vielbeschworene Verteidigung des eigenen Existenzrechtes von einer hochtechnisierten Israelischen Armee in den letzten vierzig Jahren beinahe ausschließlich in den islamischen Maschen des Teppichs, mit ziemlich vielen Brandflecken noch dazu, verteidigt wurde, lässt Gärtner aus.

100 4268 Neokonservatives, gar leicht bräunliches also in meiner guten Titanic? Klingt absurd. Es muss wohl einiges an Gereiztheit über die Redaktionsflure spuken, wenn ihr euch dazu hinreissen lasst, ein und denselben Scherz im gleichen Heft gleich zweimal (S. 8; 16) zu machen. Bloß glaube ich dabei, dass die TAZ ihren tatsächlich ganz unironisch gemeinten Ratgeber „Wie kritisiere ich Israel, ohne als Antisemit zu gelten“ nicht nur für Gespräche mit Frau Knobloch oder Herrn Giordano gedacht hat, sondern auch mit manch weniger prominentem Dogmatiker wie dem einen, dem anderen von euch. In der Vergangenheit habe ich euch dafür geschätzt, lässiger mit Angriffen umzugehen, zumal die gewalttätigen Proteste im Karikaturenstreit ja nicht mal euch galten. Was also ist los mit dem Heft, von dem ganze Stapel in unserem Haushalt verteilt liegen? Die brennenden deutschen Fahnen von vor über einem halben Jahr werden’s wohl nicht gewesen sein. Immerhin – ich habe in den letzten Tagen viel über die Antideutschen gelernt. Wollt ihr euch da einreihen? Ich dachte, Satire steht über allem und lässt sich, zumindest wenn sie aus eurem Heft stammt, nicht instrumentalisieren. Während die einen nämlich Stereotypisierungen (und sei es in „harmlosen“ Bildern) ganzer ethnischer Gruppen oder Religionen als Meinungs- oder Pressefreiheit deklarieren, nennen die anderen nämlich dasselbe Beleidigung oder gar Volksverhetzung. Deswegen, Titanic, um etwas weniger „konkret“ und etwas mehr „taz“

– bittet dein, trotz Kritik, noch lange kein Antititani(ci?)st seiender
m.


1 Kommentar

  1. Ich für meinen Teil finde dieses Judenhaß-Karikatur äusserst köstlich.
    zum Artikel selbst, den Du hier besprichst, kann ich nichts Konkretes sagen, da ich die Zeitung verlegt habe.
    Nur soviel; ich kann mich nicht erinnern, dass das so einseitig, wie Du hier beschreibst, war.

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