Widerstand zwecklos

ANGRIFF AUS FERN-Bindestrich-OST tönt es in blutroten Kapitallettern vom aktuellen SPIEGEL-Titel (11.09.2006). Die Aussage rüttelt auf, selten ist die Überschrift größer als der Namensschriftzug des Blattes. Was könnte denn da vom Osten, dem fernen, kommen? Die letzten Hoyerswerdaer, die den Absprung schaffen? Nein, ferner. Verirrte polnische Braunbären? Sicherlich nicht. Bin Ladens willige Vollstrecker (vgl.: Datum)? Auch nicht, noch viel ferner.

Die Gefahr droht von einer in Alufolie eingewickelten asiatischen Terrakottaarmee, die mit teilweise etwas zu groß geratenen Pappkameraden Dummymodellen aktueller U-Elektronik, vielleicht auf dem IFA-Gelände zurückgelassen, im rasend schnellen Stillstand nach uns werfen – oder ähnlich – wollen, wie um zu sagen: „Hör mal, Michel – Ich erzähle Dir jetzt eine umwerfende, geradezu breaking Neuigkeit: Die Chinesen, also wir, schicken sich an Weltherrschermarktführer auf dem Gebiet ‚Schnickschnack, in dem zu viel nicht-recycelbarer Kleinkram steckt‘ zu werden. Bitte fürchte Dich deswegen vor uns, da Du ja auch sonst nichts zu fürchten hast.“

Manche Gedanken sollte man nicht weiterverfolgen. Zum Beispiel den, wie ein gigantisches Kunstwerk, in dem jeder einzelne der 7000 Soldaten ein Unikat ist, den Kollektivismus der modernen fernöstlichen Arbeitswelt repräsentieren soll. Daran ändert auch der „glänzend“ photogeshoppte Überzug der Herrschaften, irgendwo zwischen T2000 und Metropolis nix. Ich hätte ja als Motiv eher den Blick in einen Borg-Kubus genommen, bei dem die Assimilierten alle Schlitzaugen haben, und uns grün angegammeltes Entenfleisch anbieten. Aber Star Trek-Anspielungen verstehen ja leider auch nicht alle.

Ein Glück stapelt Überschrift Nummero Zwei etwas tiefer. „Weltkrieg um Wohlstand“ wird da stilsicher alliterierend prognostiziert und man ist unversehens froh, dass, wie’s scheint, unmittelbar kein „Massaker um Multimedia“ oder gar der „Halbleiter-Holocaust“ bevorstehen.

2 Kommentare

  1. dieser scheiß schlechte Spiegel. Unglaublich, was die sich leisten. Mit Fremdenfeindlichkeit punkten – warum eigentlich nicht?
    DER SPIEGEL wird anscheinend unaufhaltsam zur BILD-Zeitung für etwas besser Gebildete.

  2. Pingback: “Bild” vor fünf Jahren: Super-Bingo, Super-Stars und Super-Sex - Citronengras

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.