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(Bild: F!XMBR)

Der SPIEGEL bleibt mit großem Vorsprung das Blatt, das die politische Debatte in Deutschland mehr als jedes andere bestimmt.

Aus dem Editorial des Spiegel vom 14. August 2006

Geglaubt hätt‘ ich’s unbewiesen und „Schlimm genug“ in meinen nicht vorhandenen Bart gegrummelt. Trotzdem: So einer gleißenden Selbstversicherung – die Formulierung allein! – an prominenter Stelle im Blatt haftet etwas Gewolltes und Unseriöses an. Als ob der SPIEGEL sich verteidigen müsste. Kann natürlich sein, dass ich da ein bisschen sensibel bin. Na schauen wir mal genauer hin. Weiter heißt es da:

Mit 1051 Zitaten war der SPIEGEL laut einer Erhebung des Bonner Instituts Media Tenor im ersten Halbjahr 2006 die meistzitierte unter 39 Publikationen. „Focus“ (605) und „Bild“ (601) kamen auf die Plätze zwei und drei.

Schade. Sich selbst ein Bein gestellt und den statistischen Taschenspielertrick entlarvt: Die Zitationsquote hat eben doch nichts mit Qualität zu tun, oder ist BILD etwa ein Qualitätsblatt?

Das Institut Media Tenor ist zudem in der Vergangenheit nicht gerade durch transparente Methoden der Datenerhebung aufgefallen. So heißt es beispielsweise in der ZAPP-Sendung „Datenmanipulation – Die Kampagnen des Medien Tenor“ vom NDR:

Professor Michael Haller, Kommunikationswissenschaftler, sagt: „Herr Schatz manipuliert Daten.“ Michael Haller darf das sagen, gedeckt durch ein Gerichtsurteil. Der Leipziger Professor wurde von „Medien Tenor“ verklagt, nachdem er deren Arbeit als unseriös entlarvte. Er hatte durch eigene Analysen die Behauptung des „Medien Tenor“ widerlegt, dass Zeitungen mit SPD-Beteiligungen in Einzelfällen tendenziöser berichteten als andere. Sein Urteil über die Arbeit des „Medien Tenor“: „Offensichtlich benutzt der Eigentümer des „Medien Tenors“, Herr Schatz, diese Daten in manipulativer Absicht, er will offensichtlich bestimmte Aussagen, die politisch sozusagen bedeutsam oder folgenreich sind, will er machen, und wenn das eben die Daten nicht hergeben, dann werden sie eben entsprechend manipuliert.“

Wie viel sind also Erhebungen von „Medien Tenor“ wert?

Im wissenschaftlichen Beirat der Firma sitzt ein gewisser Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG und auch privat anscheinend ganz gut bekannt mit SPIEGEL-Chef Aust.

Hier schließt sich auch der Kreis. Die mehr oder weniger bekannten Seilschaften zwischen den Chefs der FAZ, Bild (+ Welt) und des Spiegel sorgen dafür, dass man sich, gerade in politischen Themen, aufeinander bezieht: Durch gegenseitiges Zitieren.

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