Wortspielhölle

Hallo ihr Designertürklinken!

Neulich bin ich mit Sebastian um die Häuser gezogen. Er hatte ’ne Lesung in Berlin und ich bot ihm Obdach. Denkwürdig war wohl, wie wir die hässlichste Straße Berlins entlangflanierten, uns eine Frau Vaginasynonyme hinterherspie und Sebastian in seiner norddeutsch-schwäbisch-trockenen Art meinte: „Berlin halt.“ Ich brachte ihm auch das Björn Grau’sche Axiom bei, nach dem jeder Weg innerhalb Berlins exakt eine Dreiviertelstunde benötigt. Das stimmt, egal von wo nach wo. Björn Grau und andere Twitterer und Blogger trafen wir dann auch abends bei der Jour Fitz-Lesung (Seite ist gerade kaputt). Es war voll und interessant und alles schwankte. Mehr lest ihr beim Sebastian.

An diesem Tag, vielleicht war es auch der nächste, stellte Sebastian, vielleicht war es auch ich, fest, dass man beim Twitter-Favorisierungsaggregator favstar.fm, vielleicht war es auch favotter, fast ausschließlich mit schlechten Wortspielen nach oben kommt. Traurig, ist jedoch so: Liste der letzten deutschsprachigen Tweets mit mindestens 10 Favs. Here’s the thing: Heute morgen beim Zähneputzen fiel mir ein ganz besonders schlechtes Wortspiel ein. Ich streng mich da gar nicht an, das überkommt mich eben manchmal. Dieses Wortspiel war so mies, so unterirdisch schlecht, so dermaßen bei-uns-auf-Arbeit-muss-man-dafür-Geld-in-die-Phrasendrescherkasse-werfen, so komplett den-kannste-nichtmal-laut-aussprechen, dass ich beschloss, die Probe auf’s Exempel zu machen. Ich bin noch nie einer Peinlichkeit aus dem Weg gegangen und twitterte es also, das Wortspiel aus der Hölle.

fraencko @ twitter: Jan Josef Lieferservice

Und was passierte?

twitter fraencko Favstar Schock

Sechs Favs innert Minuten (Favende habe ich gekonnt anonymisiert, weil ich sie mag)! Das ist viel für meine Verhältnisse. Serious shit, Herrschaften. Dem @spiros81 nehme ich noch ab, dass er nicht den Spruch, sondern den dahinter stehenden ironischen Unterton zwischen den Zeilen gut fand, aber ihr anderen!?!? Das ist doch nicht euer Ernst! Ich meine, es handelt sich zwar nicht um den schlechtesten Wortspiel-Tweet aller Zeiten, hat jedoch immerhin Champions League-Niveau.

Die einzige lässige Reaktion, ich bezieh das jetzt mal auf mich, sportete der @kontrolliert in der ihm eigenen sympathischen Mischung aus subtilem Stinkstiefelism und Guteseeletum.

Kontrolliert Stinstiefelism

Sehr recht hast Du, Goron, mit deiner Kritikscharade. Manches muss einfach unausgesprochen bleiben, das Universum hat es einfacht nicht verdient, dass wir es mit solcher Dümmlichkeit beleidigen. Und doch… wird mich niemand an weiteren Wortakrobatikversuchen auf Twitter hindern können. Ha! (Ich bin einfach nur unsicher.)

p.s.: Ich möchte nochmal ganz deutlich auf den beeindruckenden retrospektiven Text von Sebastian hinweisen, den einige bei der Lesung vielleicht nicht richtig mitbekommen haben. Ich hab Tränen gelacht, lest ihn!

6 Kommentare

  1. bä bä bä bä bä.
    ich hab dich gefavt weil ich dich und dein blog generell gut finde, nicht den tweet an sich. und das krieg ich jetzt um die ohren. 🙁

  2. Hallo ihr Pfeffermühlen!

    Ich benutze Twitter ja auch als dankbares Auffangbecken für schlechte Wortwitze. Das Schöne daran ist ja, mein Umfeld leidet weniger!
    Ich erinnere mich da z.B. an unseren How-low-can-you-go-Wortspielwettbewerb bei einem Job damals auf der Baustelle. Wer kann den schlechtesten Wortwitz. Gewonnen habe ich mit: „Der Zement muss kaputt sein.“ Wieso?“ „Er ist im Eimer“!

    (Entschuldigt das)

  3. Das rührt sehr. Da mag ich auch verraten, dass ich den Tweet ganz unironisch gut fand, weil ich mir das bildlich vorgestellt habe. Und weil kein Deppenapostroph drin war, dessen lustig-herablassende Rezeption ja, wie wir uns einig sind, zwar komplett ausgelutscht ist, in diesem Falle für allzuviel Verwirrung gesorgt hätte.

    Das mit den Balken finde ich gut. Auf meinem Schreibtisch lag gestern ein Prospekt meiner Schule, in der das Bild, das hier oben zu sehen ist, abgedruckt ist (in gleicher Auflösung, aber 4 mal so groß). Da haben sie tatsächlich einen schwarzen Balken über den Diesel-Schriftzug des Hippies gelegt. Gott weiss, warum.

    @herrpunkt: Andererseits habe ich immer noch vor, mir den Satz „Wir hauchten der Wand Lehm ein“ irgendwann einmal „einzurahmen“ (Pornoslang).

  4. also der erste reflex auf den tweet war natürlich „super, ist das scheiße dämlich“.

    der zweite reflex dann aber „jetzt nicht auch noch fraencko“.

    weil ich zwei tage davor jemanden wieder entfernte, dessen account nur aus wortspielen war, die streckenweise auch gar nicht schlecht waren, aber auf dauer, in dieser penetranz, ging das so nicht weiter.

    und daher mache ich es mir noch mehr zur aufgabe, den wortwitz zu unterdrücken, nicht zu faven und nach außen nicht weiter gut zu finden.

    außerdem wird bei mir ja kontrolliert, da wird der anbiedernde, weitverbreitete und der erfolgreiche wortwitz selbstverständlich kritisch beäugt und abgelehnt.

    ich mag aber an sich die suche nach dem schlechtesten wortwitz. da war dieser schon mal vorne mit dabei.

  5. Aaaalt. Es muss so um 1998 gewesen sein, da war J.J.Liefers zu Gast bei RTL Samstag Nacht und führte mit der Stammcombo einen Sketch auf, der einzig und allein auf folgenden Abschlusskalauer hinauslief:
    (Szene: Kneipe glaub ich, JJ und ein paar andere an der Bar, Mann kommt rein)
    Mann: Wem gehört denn der weiße Transporter da draussen?
    Alle: Das ist Jan Josef Lieferswagen!
    (Applaus)

    Immer wenn ich seinen Namen lese, hab ich das Ding im Kopf. Damn.

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