Zeit to go

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(Bild: Mrs. Marsh in South Park, Folge 11×09)

Ganz klar: Die 68er waren durchsetzt von völkischem Gedankengut, wegen der Solidarität mit den weltweiten Befreiungsbewegungen und so. Als Gero von Randow dann der Springer-Presse noch anrechnet, trotz aller Volksverhetzung, ’68 immerhin das in Deutschland dickste Bollwerk gegen den Antisemitismus gewesen zu sein, macht S. den Video-Podcast endlich aus und die Gesichtspalme erblüht in all ihrer Pracht.

6 Kommentare

  1. (In der Gewissheit, dass Akismet mich immer noch für böse hält)

    S. hat genau vor einer peinlichen Helge Schneider-Parodie ausgeschaltet, sehr schönes Timing. Naja, die Springerpresse ist schon ein Bollwerk gegen Antisemitismus, in etwas wie PI, welches sich das ja auch auf die Fahnen geschrieben hat. Ist halt ein tolles Label, um wirklich alles durchziehen und meinen zu können.

    @Niko: Manche 68er, da geht’s ja schon los. Also gibt es garnicht DIE 68er? Wenn nicht, sind dann die 68er als solche garnicht haft- geschweige denn definierbar? Irgendwie scheint mir heute alles 68er zu sein, was nicht bürgerlich war, ob jetzt Feministin, „Krawallchaot“, Student ohne schlagende Verbindung, jemand, der seine Kinder nicht geschlagen hat. Alles 68er, alles verkappte Kommunistennazis.

    Aber Hauptsache, der Mann hat ein Ramones-Poster im Büro hängen 🙂

  2. Das es nicht die 68er gibt war dem ja auch klar, er hat ja nicht gesagt, dass „die 68er von völkischem Gedankengut durchsetzt“ gewesen seien, sondern, dass „manche argumentationen völkisch waren“ oder so ähnlich

  3. Es ist doch vollkommen wirr, was der von Randow da von sich gegeben hat.
    Gegen wen verteidigt er die US-amerikanische 68er-Szene? Wie kommt er überhaupt darauf das justamente tun zu müssen?
    Fällt ihm nichts Neues mehr ein, als die inzwischen wirklich sehr alte Leier über völkische 68er, USA = Demokratiebringer, Deutsche = undankbar antiamerikanisch und Springer = so schlimm nun auch wieder nicht. – Seit Jahren beschäftigt das konservative Feuilleton sich mit wenig anderem…
    Überhaupt, wieso bewirbt man diesen Beitrag mit „Faschismusvorwürfe – zur Debatte über Wilders islamkritischen Film“ wenn Herr von Randow sich gerade ein halbes Minütchen wenig einfallsreich dazu äußert?
    Und zu guter letzt: Seit ich den ersten Video-Podcast von ihm sah, frage ich mich, wieso dieser weder telegene noch redegewandte Mensch meint, seine Gedankengänge auf die Art unters Volk bringen zu müssen.

  4. Ich finde seine an Tai Chi erinnernde Gestik, Mimik und Aussprache irgendwie beruhigend. Man verfällt in eine Art Singsang, während man bei Matussek das Gefühl kriegt, seine Hacken zusammenschlagen zu müssen. Zackzack!

    Ich fragte mich vor allem, wieso er die olle Kamelle mit nicht alle Moslems Terroristen, aber alle Terroristen Moslems auf den Tisch knallt, um es dann so halblebig als eigentlich ja doch schwachsinnig zu entkräften. Ne, das war insgesamt nichts halbes, nichts ganzes, aber Hauptsache dabei.

    Und irgendwie greift auch keiner die Inhalte des Wilders-Films an. Sondern nur, dass das ja alles langweilig ist, alles schon dagewesen, technisch miserabel blabla, das sind doch irgendwie Ausflüchte, wenn man sich nicht festlegen will.

    Ich fand den Film zum Kotzen, aber nicht weniger schlimm, nur weil er alte Argumente wiederholt und no budget ist.

  5. [Update: South Park-Bild hinzugefügt]

    Dass so eine Pauschalaussage wie „die 68er waren völkisch“ totaler Bullshit ist, dürfte den meisten klar sein. Trotzdem ist das, was sich momentan an Geschichtsklitterung im Blick auf das, was da als eine die Gesellschaft total umkrempelnde homogene Bewegung romantisiert wird, irgendwie abenteuerlich. Ist ja nicht nur von Randow, der in das Horn tutet, sondern so ziemlich jeder, der in der Gegenwartsdiagnostik zu einem negativen Ergebnis kommt, dessen Ursachen aber mit dem eigenen Weltbild kollidieren. Ganz furchtbar zum Beispiel: Götz Aly. Ich frag mich, wie bräsig man sein muss um den ersten, die die kollektiv verdrängten „bösen 12 Jahre“ wieder auf den Tisch warfen und ihre Eltern mit ziemlich konfrontativen Fragen traktierten, auch nur im Ansatz Faschismus vorzuwerfen. Mag ja sein, dass einige wenige damals politisch ins (andere) Extreme tendierten, aber die Solidarisierung mit separatistischen Bewegungen mit dem — unzweideutig vorbelasteten — Label „völkisch“ zu belegen ist nicht nur eine Frechheit, sondern dazu noch eine krasse Verharmlosung wirklicher faschistischer Ideologie. Und Rudi Dutschke war nicht alleine die 68er.

    Siehe auch:

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