Zeitung von heute

Wesentlich beängstigender als das neue Erbschaftssteuerrecht finde ich, nebenbei, den staatlich institutionalisierten Nationalismus und Geschichtsrevisionismus (genauer betrachtet ist es das genaue Gegenteil, fällt mir gerade auf) in der Türkei.

In Trabzon, an der Küste des Schwarzen Meers, woher der Täter Ogün Samast stammt, sind inzwischen weiße Wollmützen, wie sie Samast trug, als er Hrant Dink von hinten niederschoss, ein Verkaufsschlager. Am vergangenen Sonntag spielte Trabzons Fußballclub zuhause gegen Kayseri. Im Stadion war ein Meer türkischer Fahnen zu sehen, und Spruchbänder verkündeten Losungen wie „Wir alle sind aus Trabzon, und alle sind wir Türken“ und „Selbst wenn ihr uns niederschießt, wir werden niemals zu Armeniern!“ Als die Zuschauer die La-Ola-Welle machten, plärrte der Lautsprecher: „Wer jetzt nicht aufsteht, ist Armenier!“ […] Gerichte und Polizei machen bei alledem keine Ausnahme. Als die Polizei Ogün Samast festgenommen hatte, stellten ihn die Beamten zum Fotografieren direkt vor ein Poster des Staatsgründers Kemal Atatürk, auf welchem dieser zur Verteidigung des Vaterlandes aufruft.
(Bericht von Günter Seufert in der Berliner Zeitung)

Ja hat denn die ganze Welt einen an der Klatsche?

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