Zufälle Zwo

Vor einiger Zeit schrieb ich über jene abgefahrenen Begegnungen, die das Universum in all seinen Krümmungen immer wieder für einen in schicksalshafter Weise bereithält, nämlich: Merkwürdige Zufälle. Damals ganz vergessen hatte ich die Episode, bei der ich irgendwann 2006 morgens schlaftrunken auf meine U-Bahn wartete, die mich zur Uni, beziehungsweise zur Regionalbahn zur Uni, bringen sollte. Und wer stand da, an meiner U-Bahnstation? Mein allererster Gruppenleiter, der mich fünfzehn Jahre zuvor in die Welt der Pfadfinderei einführte. Ich hatte ihn viele Jahre nicht gesehen, das letzte Mal an einem ganz anderen Fleckchen Deutschlands (Bayern) und zudem ist der Ort meiner ersten Pfadfindergruppe (Ruhrgebiet) schätzungsweise 600 Kilometer entfernt. Tjaja, Sachen gibts…

BioShock Screenshot
Screenshot: Andrew* (cc)

Noch so eine Geschichte wiederfuhr mir soeben. Da ich vor kurzem in Computerdingen schwer aufgerüstet habe, nahm ich die Gelegenheit wahr, endlich einmal BioShock zu spielen. Ein Shooter, der in einer bizarren 50er Jahre-Unterwasserwelt spielt, die aufgrund des Bedürfnisses einiger gegründet wurde, eine scheinbar entideologiserte Umwelt zu schaffen, in der beispielsweise die medizinische Forschung keine Grenzen mehr kennt: Genetical Enhancements, Eugenik und sowas. Irgendwann springen sich alle an die Gurgel und wir dürfen aufräumen. Das Spiel schafft es in der mehr oder minder zerstörten, düsteren Welt eine sehr beklemmende, oft gruselige Stimmung zu erzeugen. Was ich besonders toll finde ist, dass mir die reichhaltige und tatsächlich sinnhafte Hintergrundgeschichte nicht sogfältig drapiert wie ein Steakhausschnitzel neben Erbsen und Kartoffeln vorgesetzt wird, sondern dass ich mir alles aufgrund vieler einzeln verstreuter Indizien zusammensetzen muss. Also — falls jemand BioShock noch nicht kennt: Spielt das Spiel, es ist ein Erlebnis. Björn hat das BioShock im Agitpopblog vor einigen Monaten ausführlicher beleuchtet, mitsamt einiger Kritikpunkte die ich nicht teile, aber ich habe ja noch nicht einmal die erste Hälfte durch.

Jedenfalls wollte ich auf den merkwürdigen Zufall hinaus, genau. Gestern bewarb ich an dieser Stelle das tolle Schellack-Musikarchiv von Cliff Bolling. Zur Anteaserung band ich zwei der — gefühlt — Millionen Songs unten im Artikel zum Soforthören ein. Der eine davon, After the Ball is Over, hat in diesem Haushalt einen gewissen Stellenwert wegen der, ebenfalls tollen, TV-Serie Carnivàle. Dort ward eine Folge danach benannt und das Lied darin gesungen. Das andere Lied hörte ich mir nur wegen des Titels an, Bei mir bist du schön, denn es kommt ja nicht so häufig vor, dass ein anglophoner Song einen deutschen Titel hat. Es blieb von den etwa anderthalb dutzend Liedern, die ich daneben abspielte, am meisten hängen. Ihr kennt das ja, ein Ohrwurm. Ich entschied mich also, es hier zu posten. Nun lief ich vorhin durch eine Bar in BioShock. Und auch wenn sie halb verwüstet und kein Vergleich zur plüschigen Atmo einer von Kruder & Dorfmeister beschallten Lounge in Berlin Mitte war, funktionierte die Hintergrundbeschallung noch. Und welches Lied kam? Dreimal darfste raten…

Innerhalb von 36 Stunden stoße ich also gleich zweimal in völlig unterschiedlichen Kontexten auf einen Jahrzehnte alten Swing-Song aus den USA. Ich glaube zwar nicht an irgendwelche schicksalshaften Verwebungen, die mich jetzt dazu treiben würden, den Liedtext minutiös zu analysieren, aber ein neuer Punkt auf meiner Liste bemerkenswerter persönlicher Koinzidenzen ist’s schon.

1 Kommentar

  1. Das ist mal wirklich toll. Ich habe gestern einige Lieder runtergeladen und dachte „Hey, sie sollten ein GTA um diese Musik entwickeln“, dann fiel mir ein, dass es ja schon Mafia gibt und da auch bald der Nachfolger kommt – ich bleibe aber voerst beim alten (dein RAM läuft übrigens (Nachtrag zur vorhin verschickten Mail)) )))))))!!!

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