Россия

Jeder, der mir einen guten Grund nennen kann, dass es Unsinn ist anzunehmen, die russische Journalistin Anna Politkowskaja sei auf Geheiss von ganz oben ermordet worden, trete bitte vor.

Politkowskaja zählte zu den prominentesten russischen Journalisten. Sie berichtete seit 1999 über den Konflikt in Tschetschenien. Unter anderem schrieb sie ein Buch über Präsident Wladimir Putin und dessen Vorgehen in der Kaukasusrepublik. Dabei dokumentierte sie zahlreiche Fälle von Misshandlung der Zivilbevölkerung durch Regierungssoldaten.

Im Oktober 2002 war sie eine von wenigen Personen, die während der Geiselnahme in einem Moskauer Theater das Gebäude betrat und versuchte, mit den tschetschenischen Extremisten zu verhandeln.

Nach einem Flug von Moskau nach Südrussland während der Geiselnahme in einer Schule in Beslan 2004 erkrankte sie schwer an Vergiftungssymptomen. An Bord hatte sie Tee getrunken. Kollegen vermuteten damals, dass sie umgebracht werden sollte.

tagesanzeiger.ch

Zusammen mit staatlich gebilligten Hetzkampagnen gegen Georgier, völkerrechtlich bedenklichen Abschiebungen, der Verstaatlichung und Gleichschaltung eines der letzten kritischen Medien, (Zeitung „Kommersant“), Gewaltexzessen in der russischen Armee, wirtschaftlicher Erpressung im Gasstreit mit der Ukraine, der Inhaftierung eines Oligarchen, um dessen Konzern anschließend zu verstaatlichen usw. bekommt man als Aussenstehender und – zugegeben – nicht sonderlich gut Informierter den Eindruck, Russland baue gerade den letzten Rest der gerade errungenen demokratischen Strukturen wieder ab. Vielleicht denkt Wladimir Putin aber auch, dass man sich in der etwas spezielleren Auslegung der Menschenrechte ruhig an einer gewissen anderen Großmacht orientieren kann?