Die performantesten Schulsysteme der Welt

Unternehmensberater wollen jetzt das Geheimnis der Pisa-Sieger herausgefunden haben. Die britische Niederlassung der weltweit operierenden Unternehmensberatung McKinsey hat nach einjähriger Untersuchung festgestellt: Es liegt an den Lehrern.

McKinsey plädiert entsprechend für besser ausgebildete Pädagogen. „How the world’s best performing schools systems come out on top“ („Wie die besten Schulsysteme an die Spitze gekommen sind“) heißt die jetzt vorgestellte Studie. Danach liegt der Grund für die besseren Leistungen der Schüler vor allem in der Qualität ihrer Lehrer. Die richtige Auswahl guter Lehrer und regelmäßige Weiterbildung gelten laut Studie als entscheidende Erfolgsfaktoren. Dabei ist es unerheblich, ob das Schulsystem ein- oder mehrgliedrig ist. Als Beleg gelten hier die beiden Siegerländer Finnland und Singapur. (…)

Frankfurter Rundschau vom 8.11.2007: Gute Lehrer = gute Schüler. Studie lüftet Geheimnis des Lernerfolgs

Diesen Artikel und die Studie halte ich ja mal für groben Schwachsinn. Erstens stammen die Erkenntnisse von McKinsey, denen man nicht gerade besonderes Engagement in der Bekämpfung des Bildungselitarismus nachsagen kann. Soll heißen: Ein anderslautendes Ergebnis wäre bei dieser Urheberschaft schon sehr überraschend gewesen. Zweitens lässt sie außen vor, dass das dreigliedrige Schulsystem z.B. hierzulande sehr eng an die sozialen Schichten gekoppelt ist und damit soziale Ausgrenzungskriterien bereits systemisch greifen, bevor ein Lehrer nur ein Wort ggü. seiner Klasse geäußert hat. Da kann ein Lehrer noch so gut ausgebildet sein, wenn er an einer Hauptschule in einem großstädtischen Problemkiez unterrichtet, wird er an der Prognose Hartz IV für viele seiner Schützlinge nichts ändern können. Drittens ist es auch fragwürdig, dass die Unterschiede der kulturellen Rahmenbedingungen (etwa: Relevanz von schulischem Wettbewerb, Konsum, soziale Sicherheit und Mobilitä, Grad der Autorität des Bildungsverständnisses) in einer solchen Betrachtung einfach negiert werden können und auf eine einzige Größe, nämlich die Qualität der Lehrenden, runtergebrochen wird. Wobei Qualität in diesem Zusammenhang auch nur Fachwissen bedeutet und nicht soziale Kompetenz, weder beim Schüler noch beim Lehrer. Ein Mathepauker muss einem Zweitklässler nicht die Polynomdivision erklären, aber er muss erkennen und wissen was zu tun ist, wenn der/die Kleine ganz offensichtlich häusliche Misshandlungen ertragen muss. Dass genau das – die Vermittlung von einem ungleich höheren Maß an akademischen Wissen, verglichen mit grundsätzlichen pädagogischen Skills – das Problem in der deutschen Lehrerausbildung ist, durfte ich in unzähligen Fällen selbst erleben. Um das klarzustellen, meine Kritik soll nicht bedeuten, dass ich mich für weitere Verbeamtungen von Lehrern ausspräche. Nur finde ich die Kritiklosigkeit der FR gegenüber Unternehmensberatern, die mit ökonomoextremistischen Scheuklappen versuchen, die Welt zu erklären und das Ziel verfolgen, ihren widerlichen Börsianerjargon in alle Lebensbereiche zu drängen, sehr bedenklich. [via]