Libertas Libris

Ich habe neulich das erste Mal ein Buch per BookCrossing „freigelassen“. BookCrossing heisst: Ich habe ein Buch gelesen und „schenke“ es der Allgemeinheit. Ich klebe einen Sticker mit dem Modus Operandi in das Buch und lege es an irgendeinem öffentlichen Ort ab. Das Buch wartet nun auf seinen Finder, jener liest den Sticker im Buch und weiß daraufhin: „Aha, dieses Buch darf ich lesen, soll es dann aber an jemand anderes weitergeben und möchte doch bitte im Internet eintragen, wo ich es gefunden habe und ob es mir gefiel.“

ndWo sonst hätte ich nun das erste Buch besser in den Besitz der Allgemeinheit übereignen sollen als am Fuße des Redaktionshauses der merkwürdigen Kommunistenpostille „Neues Deutschland“? Auf einer Parkbank, um präzis‘ zu sein. Jetzt bin ich gespannt, ob demnächst eine Mail aufschlägt, Betreff: The book you have registered has been read oder so. Einen Kullerkeks würde ich mich freuen. Wenn nicht, ist’s aber auch nicht schlimm, denn – und ich glaube ich habe hier die zentrale Problematik des BookCrossens entdeckt – natürlich mochte ich das Buch nicht die Bohne, das ich weggab. Gute Bücher behält man eben. Es handelte sich bei dem in die rohe Natur überlassenen Werk um „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“, den ersten Abschnitt von Bastian Sicks Pedanteriemarathon (über das ich bereits ablästerte). Hoffentlich nimmt sich das Werk keiner der Leser zu sehr zu Herzen. Das Buch war jedenfalls weg, als wir nach einer dreiviertel Stunde die Stelle erneut passierten, an der das Buch auf der verwitterten Bank wie ein hellblauer Fleck Himmel inmitten einer dunkelgrauen Gewitterwolkenwand gelegen hatte.