Oma-Simulator 2009

Screenshot:The Graveyard

The Graveyard ist kein Spiel. Klar, es gibt Steuerungsoptionen, Grafikeinstellungen und ein Ziel, zumindest halbwegs. Allerdings besteht das Ziel lediglich darin, den Avatar, nennen wir sie Oma Emma aus Övelgönne, an einem schwarzweißen Herbsttag zur Parkbank an der Friedhofskapelle und wieder zurück mäandern zu lassen. Die für Mac und PC herunterladbare Trial-Version enthält im Prinzip das gesamte Spiel, nur kann man in der 5 $ kostenden Vollversion zusätzlich jederzeit sterben.

S. findet’s albern und ich überlege, was mir das Programm sagen will. Auf eine Art rührt mich das „Spiel“ an, auf der anderen Seite (oder vielleicht gerade deswegen) habe ich aufgrund der unfassbar behäbigen Gehgeschwindigkeit den Drang, zu fluchen und ragezuquitten[1] und fühle mich daran erinnert, wie es ist, vor 15:00 Uhr in unserem Edeka einkaufen zu gehen. Ich habe also meine Assoziationen (weswegen ich The Graveyard als Kunst sehen würde), aber die sind unangenehmer Art. Vielleicht ist dieses bizarre Programm in der Konzeptkunstecke moderner Galerien besser aufgehoben als auf meinem Computer.

(Gefunden im Blog „This Wasteland“, das zwar noch klebrig vom Fruchtwasser ist, aber bereits jetzt einen Platz in meinem Herzen erobert hat)

  1. „Ragequit“ ist ein Begriff aus dem Onlineshooter-Jargon, der in etwa bedeutet: Aus Gründen aufgestauter Frustration den Server und/oder das Spiel ohne Federlesens zu verlassen [zurück]