Reich mir die Karaffe, Freund, und die Beatles-Diskographie

Gehäuse einer mobilen Festplatte
Foto: pigpoqm (cc)

Das gibt’s ja nicht, wer hätte denn damit rechnen können:

Hard-Drive-Partys, so heißt das neue Schreckgespenst der Musikindustrie. Hinter diesem Begriff verbergen sich Partys, bei denen die Gäste den Inhalt ihrer mobilen Festplatten austauschen. Und das können ohne weiteres 500 Gigabyte werden, denn so groß sind mittlerweile handliche und kostengünstige Geräte. Zehntausende oder sogar Hundertausende Songs wechseln dann mitunter den Besitzer.

Süddeutsche: Millionenspiel bei Bier und Wein [via]

Gerade keine Lust, meine alten Beiträge zu durchwühlen, in denen ich prognostizierte, dass bei wachsender Filesharing-Prohibition die Kids eben auf dem Schulhof ihre mobilen Festplatten tauschen. Und es kommt ja noch dicker, denn auch Handys haben immer dickere Kapazitäten nebst Bluetooth und WLAN-Modulen. Da muss nur mal ein Hersteller die softwareseitigen Einschränkungen wie bei iPhone und Zune-Player in die Tonne kloppen und da lässt sich gar nix mehr kontrollieren.

Ich glaube aber eher, dass the next big Filesharingtechnik F2F- also Friend-to-Friend-Darknets sein werden, wie etwa in Alliance oder RetroShare. Das sind im Prinzip klassische Peer2Peer-Netzwerke, allerdings mit der Einschränkung dass nur mit Benutzern, denen man explizit vertraut, getauscht werden kann. Dritte kommen nur rein als Freunde von Freunden (Alliance) oder per Turtlehopping (Daten nehmen Zwischenstationen, RetroShare). Beide Programme funktionieren, sind jedoch noch längst nicht perfekt. Aber lass da mal die große Killerapplikation kommen.

Conclusio: Filesharing lässt sich nicht eindämmen, weder technisch noch mit Propaganda dem moralischen Zeigefinger. Es ist längst Teil der Alltagskultur geworden. Es wird Zeit für „Gesundschrumpfung“ und neue Geschäftsmodelle, Industrie.