Rezizitate

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Eine von Max Goldts interessanten Textsammlungen nennt sich „‚Mind-boggling‘ – Evening Post„. In einer Passage befasst sich der Autor mit Buchrückenaufschriften, die aus Rezensionen des Buches extrahiert, ja – meist aus dem Zusammenhang gerissen werden. Deswegen auch der Titel des Buches. Da vorhin in der Videothek, in der ich für mein täglich Zubrot arbeite, vormittagsbedingte Kundenleere herrschte, sammelte ich von Langeweile getrieben vergleichbare Fragmente, die auf DVD-Covern abgedruckt sind. Listenartig präsentiere ich nun also stolz:

Rezensionszitate auf DVD-Hüllen, die mich definitiv davon abhalten, einen Film anzuschauen. Und warum.

 

„Dieser Film hat das Humor-Niveau von Notting Hill und den Kuschelfaktor von Pretty Woman.“ – Bild am Sonntag

Mal abgesehen von den lachhaften Bewertungskategorien und der Tatsache, dass die „BamS“ diesen Film für ihre Klientel offenbar als passend einstuft, finde ich das Genre der RomKom eh komplett entartet. Man muss sich das mal vergegenwärtigen: Die bringen seit Jahrzehnten den gleichen Film, leicht variiert, heraus und es gibt dennoch jede Menge Frauen, die das anschauen. Nicht trotz, sondern wegen Hugh Grant! Klischee, ich weiß. Aber nichts ist sexistischer als die empirische Realität.

 

„Spannung und Splatter – und davon jede Menge“ – Deadline

Ich glaube, es ist ein veritabler Trick zur Bewerbung eines Filmes, einfach ein Zitat mit bunten Blumensträußen an Lobeshymnen zu erfinden, dazu eine auch mit intensiver Recherche nicht nachvollziehbare Quellenangabe. Beispielsweise so: „Citronengras.de ist das beste Weblog, das mir jemals unter Jehovas strenger Gunst zu lesen erlaubt ward. Lesenswert – auch für Nicht-Zugehörige der Kleintierzüchterszene.“ – Jonathan Humperdinck. Derlei dürfte hier geschehen sein.

 

„Bestes Knallkopfkino“ – joy

Eddie Murphy verkleidet sich als dicke Frau, Teil 27. Zusammen mit Robin Williams bringt traurige Kinderaugen wieder zum strahlen und Mischformen dieser beiden Genres eine kundenmagnetische Bank.

 

„Perfektes Gute-Laune-Kino!“ – TV Spielfilm

Bei einer RomKom? Da müsste schon einiges geschehen. Etwa: Plötzliches Auftauchen eines Werwolfs.

 

„Aufwendig … in Szene gesetzt.“ – Videowoche

Die drei Pünktchen nach dem ersten Wort machen mich misstrauisch. Was in diesem Zitat wohl ausgelassen wurde? Vielleicht ja „schneiderte man diesem Würstchen von Hauptdarsteller im Vorfeld Kettenhemd, schmiedete Schwert und Helm – und trotzdem ist die Mittelalter-Atmo des Films unfassbar mies“.

 

„Ein nihilistischer Wutschrei.“ – Total Film

Gleichbedeutend mit: „Trotz seiner dauerprovokanten Handlung und extremen Bilder handelt es hier um einen Film, der ähnlich öde ist wie die typische postmoderne Inszenierung eines klassischen Theaterstücks. Die Hülle dieses Films im Regal eignet sich allerdings gut, um potentiellen Sexualpartnern zu imponieren“.

 

„Große Stars, tolle Effekte – was will man mehr?“ – Bild

Eine Handlung.