Sinn vs. Verstand

1+1=3
Bild: dreamsjung (cc)

Bei aller Toleranz gegenüber Leuten, denen mal etwas nicht ganz Überlegtes herausrutscht, möchte ich doch meine latente Angewidertheit von Hans-Werner Sinn, dem ifo-Wirtschaftsinstitutsboss und hofierten Medienexperten, kundtun. Nicht nur aber auch, wegen dem was er da im heutigen Tagesspiegel sagt:

In jeder Krise wird nach Schuldigen gesucht, nach Sündenböcken. Auch in der Weltwirtschaftskrise von 1929 wollte niemand an einen anonymen Systemfehler glauben. Damals hat es in Deutschland die Juden getroffen, heute sind es die Manager.

Schnullibulli, völlig Banane der Vergleich, mehr muss man dazu nicht sagen. Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat sich schon beschwert, jede Wette da kommt innerhalb von 24 Stunden eine Entschuldigung.

Beim Rest des Interviews reibt man sich aber auch die Augen.

Seit Jahren verlange ich in einer Vielzahl von Publikationen eine strengere Regulierung der Banken. Schon 2003 habe ich ein Buch dazu veröffentlicht, das von liberalen Bankökonomen heftig kritisiert wurde. Ich habe gewarnt, dass es einen internationalen Wettlauf der Staaten um die laschesten Gesetze gibt. Und dass die Banken zu riskante Geschäfte eingehen.

H.-W. Sinn war also immer schon der laute Rufer nach staatlicher Regulierung und Eingrenzung des totalen Markts. Hätt‘ ich mal seine Bücher lesen sollen, da wäre mir ja ein ganz anderes Bild von „Deutschlands klügstem Wirtschaftsprofessor“ (BILD) gezeichnet worden. Bei mir kamen immer nur Forderungen nach Einschränkung der Arbeitnehmerrechte und Lohnsenkungen an, sowie geschürte Panik vor einem Mindestlohn, welcher knapp 2 Millionen Arbeitsplätze vernichten würde.

Sinn gab vor ziemlich genau einem Jahr auch mal solcherlei von sich:

Transparenz bei den Managergehältern leistet nur dem Neidkomplex der Deutschen Vorschub.

Neid, ein schönes Argument gegen externe Kontrolle. Der frisst uns nämlich von innen heraus auf und zerstört die Volksseele. Komisch, ich dachte immer, den Wohlstand anderer zu sehen, motiviere den Homo Oeconomicus zum Nacheifern? Ja, irgendwie auch:

Jeder Mensch in der Marktwirtschaft denkt doch zunächst einmal an sein eigenes Wohlergehen, trotzdem funktioniert die Marktwirtschaft. Sie braucht nicht den guten Menschen, sondern funktioniert mit Menschen, die ihren eigenen Vorteil maximieren wollen.

Haha, genau das haben die Manager doch bis zuletzt auch getan! Und damit die keinem Schindluder treiben, gibt’s ja systemimmanente Kontrollmechanismen:

Manager dürfen nicht machen, was sie wollen, sie haben ja die Aktionäre. Die sind bereit, tolle Vorstände hoch zu bezahlen. Wenn ein richtiger Manager kommt, der das Geschäft versteht, kann er für ein Dax-Unternehmen ein paar hundert Millionen mehr in die Kasse spülen. Im Wettbewerb der Firmen um gute Manager ergeben sich halt extrem hohe Einkommen. Auch wenn das mit Gerechtigkeit gar nichts zu tun hat.

Die Aktionäre — haben es ja toll gerichtet, gell? Vom Staat steht da aber nix, Herr Sinn.