…und das ist auch gut so?

csdAls ich heute an der Karl-Marx-Allee und am Potsdamer Platz (Berliner gehen da auch manchmal hin) einige Ausläufer des Christopher Street Day mitbekam, erwischte ich mich bei dem Gedanken, dass der Teil Demonstranten, die sich da knallbunt in die Blickfelder der Betrachter drängten, ihren Geschlechtsorientierungsgenossen einen wahren Bärendienst erweisen. Denn diese Veranstaltung vergrößert die Distanz zwischen Homos und Heten. Für die einen ist es Party mit wohldosierter Provokation, für die anderen ein Ereignis mit Stadtfestcharakter und wohldosierter Exotik. Die „bunten Vögel“ oben auf dem Wagen werden betrachtet von den „normalen“ Gestalten da unten, oder noch schlimmer: Bunt gefiltert, auf 40 Sekunden Werbecliplänge in der Tagesschau heruntergebrochen, für Omi und Opi auf dem Fernsehsofa daheim. Aufmerksamkeit brauchen Lesben und Schwule heute nicht mehr, schocken werden die Bilder von sich küssenden Männern die meisten auch nicht mehr. Für die Akzeptanz von Homosexualität als etwas völlig Normales, Alltagskompatibles dürften fünf Staffeln „Six Feet Under“ weitaus mehr getan haben als alle CSD-Partys auf der Welt.

Foto: jÖrg (cc)