Wie sich Berlin auf dem Kopf stehend anfühlt: Gut

Berlin aufm Kopf

Die bestreikten öffentlichen Verkehrsmittel jucken mich immer noch nicht so sehr. Gut, ich habe jetzt auch keine Arbeitsstelle in Hellerdorf oder eine Lebensabschnittsgefährtin in Spandau. Aber immerhin bin ich neulich schon zum vierten Mal von Friedrichshain über Kreuzberg runter nach Neukölln und wieder zurück gelaufen, bei Wind und Wetter. Mein Fahrrad ist leider hinüber, aber zu Fuß geht’s erstaunlicherweise ziemlich gut, schneller als ich gedacht hätte. Man kann dabei nachdenken, Musik hören, fotografieren, bekommt frische Luft und tut was für die Gelenke. Dafür fünf Minuten länger zu brauchen als in der sti[n/c]kigen U-Bahn ist für mich verschmerzbar. Man lernt die Entfernungsverhältnisse besser kennen als sonst, wenn die Stadt nur aus miteinander per U-Bahnschacht verbundenen Inseln besteht. Und dann komme ich auf meinem Weg auch immer an ver.dis Trutzburg an der Schillingbrücke in all ihrer Hässlichkeit vorbei, wo ich trotzdem stets warme Gedankenstrahlen der Solidarität hinsende. Ich glaube daran, dass Arbeit ihren Wert hat und dass man das manchmal verdeutlichen muss, indem man anderen zeigt, wie unkomfortabel das Leben ohne solche sonst selbstverständlichen Leistungen sein kann. Andererseits freut mich auch der Pragmatismus, mit der sich ein guter Teil der unmotorisierten Berliner hinsichtlich der Verkehrssituation arrangiert hat — trotz der Geiferduschen, die man immer dann unfreiwillig nimmt, wenn man an Kiosks vorbeikommt die die Titelzeilen-Werbeaufsteller der Dreckschleudern vom Axel Springer-Verlag verwenden. Ist halt jetzt so. Jibt Schlimm’ret.